Archiv 2020

Interview mit Herrn Dr. Georg Bauer

Dr. Georg Bauer an einem gefällten BaumstammBild vergrössernDr. Georg Bauer an einem gefällten Baumstamm

Dr. Georg Bauer arbeitet als Biologe in der Plant Biomechanics Group von Herrn Prof. Dr. Thomas Speck an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Sein Vortrag beim Ideenforum Bionicum am 16. Februar steht unter der Überschrift: "Vom Mammutbaum zu erdbebensicheren Gebäuden". Im Interview erzählt er schon einige interessante Details, die Lust darauf machen, in seinem Vortrag mehr zu erfahren.

Frage:
Herr Dr. Bauer, laut einer Volksmeinung muss man drei Dinge im Leben tun: Ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und ein Kind zeugen. In Ihrer Forschung bringen Sie zumindest zwei von diesen zusammen. Wie kam es dazu? Und worum geht es in Ihrem Forschungsverbund?

Antwort Dr. Georg Bauer:
Wie sich viele Baumarten vor äußeren Einflüssen wie Feuer und Schädlingen schützen können, wurde in der Vergangenheit bereits häufig untersucht. Auch dass zum Beispiel der Riesenmammutbaum Steinschläge und Erdrutsche überstehen kann ist beeindruckend. Aus diesem und weiteren Beispielen aus der Natur wollen wir im Sonderforschungsbereich Transregio 141 lernen und die gewonnenen Erkenntnisse auf die Entwicklung nachhaltiger bioinspirierter Gebäude und Bautechnik anwenden.

Frage:
Ein Mammutbaum kann ja bis zu 100 Meter hoch wachsen. Hoch hinaus wollen auch die Erbauer von Wolkenkratzern. Wie schafft es der Mammutbaum so hoch zu wachsen und Wind und Wetter zu trotzen und was kann die Bionik von ihm lernen?

Antwort Dr. Georg Bauer:
Im Laufe der Evolution haben sich Lebewesen daran angepasst, viele Funktionen auf einmal zu erfüllen. Im Falle eines Baumstammes sind dies vor allem der Transport von Wasser und Stoffwechselprodukten, während gleichzeitig eine ausreichende Stabilität erreicht werden muss, damit der Baum bis zu 100 Meter groß werden kann. Mehrere Funktionen in einem einzigen Bauteil zu vereinen ist ein Beispiel dafür, was wir vom Riesenmammutbaum lernen können.

Frage:
Ein anderes Forschungsgebiet von Ihnen beschäftigt sich mit Früchten. Pomelos und Nüsse fallen aus großen Höhen vom Baum, ohne Schaden zu nehmen. Was genau können wir davon lernen?

Antwort Dr. Georg Bauer:
Wenn Pomelos und Nüsse aus großer Höhe auf den Boden fallen, geht es darum, den Embryo im Innern während und nach dem Aufprall zu schützen. Wie bei der Kokosnuss entstehen dabei häufig kleine Risse in der Fruchtwand. Diese müssen aber nicht unbedingt vermieden werden, sondern können auch genutzt werden, um den Aufprall abzudämpfen. Von solch einer Strategie können auch wir etwas lernen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Wer genaueres erfahren möchte, der ist herzlich zum Ideenforum am 16. Februar im Bionicum eingeladen. Die Teilnahme ist kostenlos. Ein Klick auf "Aktuelles" führt zum Programm und zum Anmeldeformular.


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