Archiv 2020

Interview mit dem Team BIOSOL

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Das Bionicum-Forschungsprojekt Team BIOSOL der TH Nürnberg besteht aus Prof. Dr. Hans Poisel und den Doktoranden Philipp Dengler und Michael Lippenberger. Im Interview geben Sie einen kurzen Ausblick auf ihren Vortrag beim Ideenforum Bionicum am 16. Februar 2017.

Frage:
Inspiration ist überall zu finden – sogar in Märchen. Sie haben einen Schildbürgerstreich sehr wörtlich genommen und versucht, Tageslicht in dunkle oder fensterlose Räume zu tragen. Wie gelingt das? Mit Eimern sicher nicht…

Antwort Team BIOSOL:
Wir sind über die Schildbürger hinausgegangen: Ähnlich wie die Feuerwehr heute nicht mehr mit Eimern sondern mit Schläuchen arbeitet, haben wir lichtleitende Fasern eingesetzt, die das Licht über mehrere 10 m auch um die Ecke transportieren können.

Frage:
In unserer Sonderausstellung "Natur trifft Architektur" gibt es ein digitales Spiel, in dem der Besucher das Sonnenlicht mit einem sogenannten Sollektor einfangen und das Haus damit beleuchten muss. Da fängt Ihre Arbeit aber erst richtig an, oder?

Antwort Team BIOSOL:
Nun: dieses Spiel macht eigentlich nur einen technischen Sachverhalt für ein breites Publikum zugänglich. Auch wenn es einfach klingt, Sonnenlicht einfangen und das auch noch mit hoher Effizienz ist harte Ingenieursarbeit, die sich aus mehreren Disziplinen speist. Es beginnt mit der optischen Linse, die das Sonnenlicht konzentriert, geht dann über in das Lichtwellenleitersystem, und endet schließlich beim Nutzer, der das Sonnenlicht mit einem möglichst unverfälschtem Spektrum (sichtbares Licht) genießen will. Das Sonnenlicht muss in die weniger als 1mm dicke Faser eingekoppelt werden. Dazu verwenden wir eine spezielle Linse, die die Strahlen im Brennpunkt vereinigt, in dem dann auch die Faser steht. Das ist nicht so einfach, weil sich ja zum einen die Sonne bewegt und zum anderen das konzentrierte Licht nicht daneben gehen darf, weil es sonst zu Verbrennungen kommt.

Frage:
Einige technische Schwierigkeiten haben Sie ja bereits erfolgreich hinter sich gebracht. Was war oder ist die größte Herausforderung?

Antwort Team BIOSOL:
Der Werkstoff bewegt sich, sobald er mit Licht bzw. Strahlung der richtigen Wellenlänge bestrahlt wird. Er muss also von sich aus intelligent sein, wir reden hier somit nicht von einem Standardkunststoff. Als Ingenieure sprechen wir hier von der Gruppe der Smart Materials. Eine Schwierigkeit war natürlich die Beschaffung. Letztlich mussten wir in Zusammenarbeit mit Chemikern an unserer Hochschule herstellen bzw. synthetisieren lassen. Ein Durchbruch hierbei war die erste Bewegung. Die Arbeit von uns Ingenieuren beginnt allerdings jetzt erst, denn nun müssen wir untersuchen wie diese Bewegung technisch genutzt werden kann. Anders ausgedrückt müssen wir nun die mechanische Bewegung untersuchen die optisch ausgelöst wird. Wir bedienen uns hier teilweise technischer Methoden aus dem Bereich der mechanischen Charakterisierung und erweitern diese auf eine optische Anregung. Damit können wir ermitteln, wie viel, wie schnell und wie oft der Werkstoff eine Bewegung ausführt.

Frage:
Nach einigen Jahren Forschungsarbeit ist das Bionicum-Projekt nun abgeschlossen. Wie sehen denn Ihre weiteren Pläne für BIOSOL aus?

Antwort Team BIOSOL:
Nun wir konnten sowohl den Werkstoff erforschen, erfolgreich charakterisieren und das Funktionsprinzip nachweisen. Wir sind zwar somit Newcomer in dem Bereich dieses smarten Werkstoffes, haben aber somit eine hervorragende Ausgangsbasis für weitere spannende Projekte, die sich insbesondere damit beschäftigen werden, wie dieser Werkstoff technisch integriert werden kann.

Vielen Dank für das Gespräch.


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